Reentry – Die Rückkehr als Paar gestalten

Wir sind zurückgekehrt. Für uns geht es jetzt in Deutschland weiter. Zeiten der Umbrüche erfordern viel Aufmerksamkeit, was die lange Stille auf meinem Blog erklärt. Während ich noch meinen Eindrücken zur Repatriation nachspüre, darf ich heute einen Gastartikel von Christine Schuppener von Schuppener Global Transitions veröffentlichen. Schuppener Global Transitions bietet neben dem Expat-Gesamtpaket ein besonderes Angebot für zurückkehrende Familien an. In einem gemeinsamen Familiencoaching dürfen alle Familienmitglieder die Zeit im Ausland miteinander reflektieren, um sie gewinnbringend in ihr neues Leben im Herkunftsland zu integrieren. Besonders schön ist daran, dass vor allem auch den Kindern und dem gemeinsamen Erleben im Ausland viel Raum gegeben wird.

Zurück aus dem Ausland – ich fühle anders und du auch

Anja möchte noch gar nicht an den Abschied in ein paar Monaten denken. In den letzten drei Jahren hat sich ihr eine völlig neue Welt geöffnet. Vieles ist ihr in Südamerika sehr wichtig geworden. Sie hat ein ganz neues Lebensgefühl und viele interessante Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln entdeckt. Kai kann es kaum erwarten, die Koffer zu packen und zurück nach Deutschland zu ziehen. Es fiel ihm von Anfang an schwer, in die Kultur hineinzufinden. Seine Pläne für die Firma waren auch ganz andere zu Beginn ihres Aufenthalts. Seine ursprüngliche Begeisterung war nach ein paar Monaten verflogen und Frustration über die scheinbar endlosen Hürden hatte sich breit gemacht. Immer öfter kommt es zu Unstimmigkeiten zwischen den Beiden. Anja findet, Kai sollte endlich aufhören alles so schwarz zu malen. Sie fühlt sich nicht verstanden in ihrem Schmerz, nun so viele wertvolle Beziehungen wieder loszulassen. Kai spricht viel von den Möglichkeiten, die er endlich wieder haben wird, wenn er zurück in Deutschland ist. Mitten im Umzugsstress bleibt auch scheinbar wenig Zeit für Gemeinsames. Endlos viele Dinge müssen organisiert werden und die Zeit der Abreise kommt sehr schnell näher. Anja zieht sich immer mehr zurück und verbringt so viel Zeit wie möglich mit Aktivitäten im Gastland. Kai bleibt bis spät abends im Büro und arbeitet neuerdings auch an den Wochenenden durch. Sein Ziel ist es, zum Abschluss gute Ergebnisse liefern zu können.

Wochen später zurück in Deutschland trifft Beide völlig unerwartet der Reentry Stress. Für Anja ist das Ankommen in Deutschland schwierig, weil niemand sie zu verstehen scheint. Kai ist so sehr mit sich und den unerwarteten Schwierigkeiten in seiner Arbeitsstelle in Deutschland beschäftigt. Er ist leicht gereizt und klagt über Magenschmerzen. Die Spannung zwischen Beiden nimmt weiter zu.

Ein Rückzug nach Deutschland bringt viel Unerwartetes mit sich. Wir haben die Zeit im Ausland als Paar verbracht und doch erlebt jeder den Rückzug nach Deutschland sehr unterschiedlich. Die Phase der Repatriation ist eine sehr sensible Phase. Niemand versteht uns so gut wie unser Partner und niemand ist innerlich auch so intensiv mit diesem Schritt zurück nach Deutschland beschäftigt, wie unser Partner oder unsere Partnerin.

Was können Paare in diesem Prozess tun, um ihre Beziehung zu stärken? Hier ein paar Ideen für den Alltag:

  • Machen Sie sich bewusst, dass der Abschied vom Gastland viele Emotionen hervorbringen wird.
  • Unter Stress neigen wir dazu, uns in die eigenen, lange eingeübten Verhaltensweisen zurückzuziehen. Jetzt ist es ganz wichtig, sich der eigenen Bedürfnisse bewusst zu werden. Nur so kann ich diese auch meinem Partner, meiner Partnerin kommunizieren.
  • Um meine Bedürfnisse im „Wirrwarr“ der Repatriation wahrzunehmen, ist es wichtig, Zeit für mich einzuplanen. Zeit, die nicht beladen ist mit unerledigten to do Listen. Eine echte Auszeit, mitten in den Anforderungen des Alltags. Das erscheint manchmal fast unmöglich. Ist aber gerade in dieser Phase enorm wichtig und energiegebend.
  • Mit wertschätzender Kommunikation schaffen es Ehepaare, eigene Empfindungen zu kommunizieren ohne anzuklagen. Beide Partner können einander mitteilen, wie es Ihnen geht und dabei die Empfindungen des Andern wertschätzend respektieren.
  • Planen Sie sich als Paar, mitten in den Umzugsvorbereitungen kleine Inseln im Alltag ein. Wer entspannt ist, kann auch entspannt auf den Partner eingehen. Erlauben Sie den Umständen nicht die Zeitplanung zu übernehmen. Setzten Sie bewusst Parameter für sich persönlich und für erfrischende Momente zu zweit.
  • Humor ist ein guter Begleiter für Paare in der Transition Phase. Wer auch mal herzlich lachen kann, baut Spannungen ab.
  • Überlegen Sie gemeinsam, was Sie in dieser anstrengenden Phase brauchen und was Sie möglich machen möchten, um den Partner, die Partnerin zu stärken. Die Bedürfnisse sind hier sehr unterschiedlich. Manche brauchen eine besondere Zeit um sich alles von der Seele zu reden, andere fühlen sich durch körperliche Nähe oder eine extra Portion Zeit unterstützt.
  • Suchen Sie Unterstützung durch einen Rückkehr Coach, der Sie durch die Phasen der Rückkehr begleitet. Mit der Unterstützung eines erfahrenen Coaches, können Sie so manche Klippen in der Repatriation als Paar umschiffen.
  • Finden Sie täglich ein paar Dinge, wofür Sie dankbar sind im Andern und drücken Sie es auf unterschiedliche Weise aus.
  • All das ist wichtig für Ihre Beziehung auch in den ersten Wochen und Monaten im Heimatland. So können Sie als Paar auch in dieser Phase an Stärke und Zusammenhalt gewinnen in Ihrer Partnerschaft.

Christine Schuppener

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