Eine Affäre im Ausland

Es ist so wertvoll, wenn wir beginnen, uns unsere wahren Geschichten zu erzählen. Kein Baby schläft immer durch und keine Beziehung ist immer wundervoll. Auch wenn jede Beziehung einzigartig ist und nicht jeder Ratschlag so ohne weiteres übertragen werden kann, so kann es doch hilfreich sein, zu hören, was andere erleben. Ich freue mich, wenn dieser Blog als Plattform dienen kann. Heute darf ich eine Geschichte mit euch teilen. Sie macht mich betroffen und berührt mich. Aber lest selbst:

Liebe Lilli,

meine Geschichte ist eine sehr persönliche und ich war schwer am Überlegen, ob ich möchte, dass Du sie veröffentlichst. Hinzu kommt, dass ich keine wirkliche Expat, sondern eine Auswanderin gewesen bin. Eine Beziehung zwischen einem Paar aus dem gleichen Herkunftsland, das ins Ausland geht und irgendwann wieder nach Deutschland zurückkehrt, ist anders als die Beziehung zwischen zwei Menschen aus verschiedenen Kulturen, die sich in dem Herkunftsland des einen niederlassen und der andere seines aufgibt, in den meisten Fällen für immer. Jedoch hätte meine Geschichte genauso gut einem Paar aus dem gleichen Land und in jedem Land passieren können. Von daher passt sie vielleicht nicht ganz zu Deinem Thema, der Expat-Ehe. Ich schicke sie Dir erstmal und Du kannst dann entscheiden, ob Du sie in Deinem Blogg veröffentlichen möchtest. Sei so lieb und nenne meinen Namen nicht, Du kannst mich Lisa L. nennen, dann weiß ich, dass Du von mir sprichst. Hier ist die Geschichte meiner Ehe bis dato:

Wenn mich heute eine meiner neuen Freundinnen aus unserer neuen Heimat fragt, warum wir aus Irland zurückgekommen seien, dann bekommen sie zu hören: „Aus finanziellen Gründen“, „Hier hat man bessere Jobmöglichkeiten“, „Hier verdient man besser“, „Die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind geringer“, „ Das Gesundheitssystem ist besser“, „Das deutsche Schulsystem sagt uns eher zu“, „Ich vermisse meine Familie und alte Freunde“, etc. Das stimmt auch alles, aber ohne die Affäre meines Mannes, hätte uns trotzdem nichts aus Irland weggeholt.

Mein Mann und ich haben uns bei der Arbeit in Irland kennengelernt. Ich hatte mein Studium unterbrochen, um Auslandserfahrungen zu sammeln und ich wollte mich von einer langen, unliebsamen Beziehung erholen. Mein voriger Freund hatte mich mehrfach betrogen und ich hatte ihm immer wieder vergeben, bis es nicht mehr auszuhalten war, denn eine Änderung war nicht zu erwarten.

Für meinen Mann war es die erste feste Anstellung nach dem Studium, weit weg von seiner Familie und seiner Verlobten. Die Firma, für die wir arbeiteten, hatte viel Personal und wir liefen uns nur selten über den Weg. James lernte ich näher kennen, nachdem seine Verlobte mit im Schluss gemacht hatte. Sie kam mit der Distanz nicht klar und die Luft schien aus der Beziehung raus gewesen zu sein. Zusammen kamen wir aber erst 2 Wochen, bevor ich wieder zurück nach Deutschland sollte. Ich wollte der Beziehung eine Chance geben, denn ich war sehr verliebt in diesen netten, höflichen, lustigen Mann. Er war der erste Mann, der fragte, wie es mir ginge, statt zu erwarten, dass man sich nach seinem Befinden erkundigte. Er war beliebt und er war in mich verliebt, gerade mich. Ich war glücklich und das Glück wollte ich durch eine Distanz nicht aufs Spiel setzen. Ich konnte meinen Vertrag um ein Jahr verlängern, nur James hatte sich vor unserer Zeit anderweitig beworben und diese Stelle auch erhalten. Der Weg zurück war nicht mehr möglich, da seine Stelle auch schon vergeben war, d.h. wir waren im gleichen Land, aber wir sahen uns nicht jeden Tag. Das schien aber unserer Liebe nichts auszumachen. 

Zu Ostern stellte ich ihn meiner Familie vor und er fragte meinen Vater um die Erlaubnis, mich heiraten zu dürfen. Dann hielt er vor der ganzen Familie um meine Hand an. Nicht nur lieb und nett, auch noch traditionell und romantisch!

Im Sommer waren meine zwei Jahre rum und ich wollte mein Studium in Deutschland abschließen. James ließ sich auf das Experiment Deutschland ein und es machte ihm nichts aus, dass sein Uniabschluss in Deutschland nicht anerkannt wurde. Ihm ging es in erster Linie darum, die Sprache zu lernen. Er arbeitete für eine Jobvermittlung in Kneipen, Blumenläden, Kaufhäusern, etc. und lernte Deutsch, innerhalb kürzester Zeit. 

Nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, gingen wir wieder zurück nach Irland, denn wir wollten eine Familie gründen und da wollte er in das Land, dass seine Qualifikationen anerkannte und er in einem Job arbeiten konnte, der uns finanziell absicherte und ihm Spaß machte, das war z.B. bei Aldi nicht unbedingt möglich. Wir fanden beide eine Anstellung und 1,5 Jahre später bekamen wir unser erstes Kind. 

Philipp war ein anstrengendes Baby, da er die ersten neun Monate nachts nicht schlief. Die Hebamme sagte, dass er Koliken hatte und er wegen der Bauchschmerzen nicht schlafen konnte. Medikamente halfen nicht wirklich. Nach neun Monaten ging es ihm zum Glück besser, aber James und ich waren nur noch müde und ich auch wieder schwanger mit Kind Nummer zwei. Elias war ein ruhiges Baby, aber Philippein eifersüchtiger großer Bruder und das bedurfte großer Aufmerksamkeit. Das legte sich erst, als Elias 1 Jahr alt war. Ab da waren die Beiden dicke Freunde und teilten alles. Man würde meinen, dass nun alles leichter werden würde, das war auch kurzzeitig so und dann kamen die Zwillinge auf die Welt. Als sie geboren wurden, war Philipp 3 Jahre alt. Man kann sich vielleicht vorstellen, dass das ohne Hilfe sehr anstrengend war. Meine Familie war in Deutschland, James Familie auch nicht wirklich um die Ecke, sie wohnten ca. 6 Autostunden entfernt von uns. Wir waren gerade umgezogen und in der neuen Gegend kannten wir noch niemanden, den wir ab und an um Hilfe hätten bitten können. Hinzu kam, dass ich für die erste Firma, bei der ich seit unserem Rückzug nach Irland gearbeitet hatte, noch immer von zu Hause aus Aufträge annahm. Arbeit, Haushalt und vier sehr kleine Kinder … und dann hatte ich auch noch sehr hohen Eisenmangel. Eisenmangel macht einen sehr müde. Jedes Mal, wenn ich mich irgendwo hinsetzte, schlief ich ein und Eisentabletten halfen nicht wirklich. 

Wenn dann mein Mann abends nach Hause kam und ich gerade die Kinder ins Bett gebracht hatte, hatte er natürlich auch noch Bedürfnisse und wollte Aufmerksamkeit. Dass ich müde war und noch die Spielsachen aufräumen musste, den Abwasch nicht bis zum Morgen stehen lassen wollte und eigentlich noch zwei Stunden für meine Firma arbeiten musste, war für ihn nicht wirklich nachvollziehbar. Das war eine sehr schwierige Zeit. Nun könnte man natürlich sagen: „Kündige doch“, „Kauf dir eine Geschirrspülmaschine“, „Lass das Spielzeug liegen, am nächsten Tag wird es sowieso wieder herausgeholt“. Jedoch brauchten wir mein Einkommen, da wir gerade ein Haus gekauft hatten. Aus dem Grund kam auch eine Geschirrspüle nicht in Frage. Jedenfalls ging es unserer Beziehung immer schlechte. Ich hatte keine Lust mehr auf Sex, ich war müde, ich zog mich zurück und merkte, dass es mir nichts ausmachte, wenn James später als sonst nach Hause kam, im Gegenteil.

In der Phase fing James ein Studium an der Open University an. Er wollte sich beruflich verbessern und da wir uns nicht leisten konnten, dass er Vollzeitstudent war und nichts verdiente, studierte er von zu Hause aus, nach der Arbeit. Er musste nur zu manchen Wochenendseminaren und Prüfungen nach Dublin. Eines seiner Seminare fand sogar auf Ibiza statt. Nach dem ersten Ibiza-Seminar kam er verändert zurück. Er suchte nicht mehr, wie vorher, die körperliche Nähe, ließ sich einen Bart wachsen und kaufte sich ein gebrauchtes Motorrad. Ich dachte mir: Midlife Crisis. James war Anfang 40. Am Anfang störte mich das nicht. Er blieb noch öfter abends weg und musste zu vielen Seminaren am Wochenende, hatte ja alles einen Grund – Studium. Wenn er zu Hauses war, war er hauptsächlich im Arbeitszimmer. Wenn ich die Kinder bat, den Tisch zu decken, sie waren mittlerweile 7, 6 und 4, deckten sie schon gar nicht mehr für ihn mit, so selten war er zu Hause. 

Auch wenn es mir so passte, machte mir die Veränderung Angst. Ich sprach ihn darauf an und er erklärte alles mit der Arbeit und dem Studium. Mittlerweile hatten wir (aber eher doch ich) Freunde in der Umgebung gefunden und u.a. auch Babysitter aufgetan, so organisierte ich einige Abende für uns zwei, aber die verliefen nie positiv. Er provozierte mich oft und ich reagierte darauf sehr gereizt. Wir stritten uns mehr und mehr. Er wusste genau, wie er mich auf die Palme bringen konnte. Dass alles gewollt war, wusste ich erst später.

Nach 2 Jahren nach dem ersten Ibiza-Seminar (er fuhr insgesamt viermal, immer zu Ostern, auf die Insel, wovon nur das erste Seminar „echt“ war) bat ich ihn darum, mit mir zu einer Eheberaterin zu gehen. Er ließ sich darauf ein. Dabei wurde er von mir und von der Therapeutin gefragt, ob es eine andere in seinem Leben gäbe, was er verneinte. Nach mehreren Wochen merkte ich, dass die Sitzungen uns nicht wirklich weiterbrachten. Er war bei der Dame immer nett, aber sehr verschlossen. Ich hatte mittlerweile wieder Vollzeit angefangen zu arbeiten. Ich war aber nach wie vor für alles andere zuständig. Nach insgesamt 3,5 Jahren kam es dann ans Licht:

James war bei einem Firmenfest und kam sturzbesoffen nach Hause. Er ging nach oben ins Schlafzimmer und als ich hinterherkam, lag er schon schlafend auf dem Bett, mit seinem Handy in der Hand. Das Handy war an. Ich nahm es ihm aus der Hand und wollte ihn zudecken, als mein Blick auf die Nachricht fiel, die er wohl noch im Halbschlaf angefangen hatte zu schreiben: „I love you so much. I wish you were here. I miss you.“

Ich konnte nicht mehr atmen, ich nahm das Handy mit runter und las die Nachrichten davor mit Tränen in den Augen. Als ich nicht mehr konnte, ging ich hoch und ohrfeigte ihn, ich war so enttäuscht, verletzt, sauer, down, einfach nur fertig. Er war sehr schnell wieder nüchtern, denn ihm war klar, dass er aufgeflogen war. Wir schrien uns an, mein Mittlerer kann sich bis heute daran erinnern. Die armen Kinder. Nicht nur für mich brach eine Welt zusammen, auch für sie. 

Die Tage, die folgten, waren der reinste Alptraum. Er wollte ausziehen, konnte es sich aber nicht leisten, also schlief er erst im Arbeitszimmer und später auf dem Sofa im Wohnzimmer. Es war unerträglich. Anfangs versuchte ich noch, unsere Ehe zu retten und bettelte und flehte ihn an, dass alles besser werden würde, blablabla. Ich schäme mich heute dafür, wie ich mich erniedrigt hatte, aber an dem Abend ist mein Selbstwertgefühl verschwunden. Ich liebte ihn noch, wir hatten vier wunderschöne, liebenswerte Kinder, … es konnte doch nicht angehen, dass das alles nicht mehr sein sollte? Sechs Wochen ging das so. Bei der Arbeit brach ich mehrfach zusammen. Wenn meine Sekretärin nicht gewesen wäre, die ich eingeweiht hatte, hätte ich keinen Tag bei der Arbeit durchgehalten oder etwas Nahrhaftes zu mir genommen. Am Ende der zweiten Wochen ging aber nichts mehr. Ich ging zum Arzt und da ich kein vernünftiges Wort rausbrachte, was Sinn machte oder ohne Schluchzen ging, gab mir der Arzt eine Krankschreibung für vier Wochen! Ich muss schon schlimm ausgesehen haben. Zu Hause fiel mir die Decke auf den Kopf und ich machte dumme Sachen, wie James nach der Arbeit auflauern und ihm folgen, was natürlich schief ging, da er mich entdeckte, ich bin keine gute Detektivin!!

Nach diesen insgesamt sechs Wochen kam dann ein Brief von seinem Anwalt, in dem er bekannt gab, dass er die Scheidung wolle. Erst dann gab ich auf, um ihn und unsere verhunzte Ehe zu kämpfen. Ich brach vollends zusammen. Ich kündigte meinen Job, ich hatte ihn eh gehasst und verkroch mich unter meiner Bettdecke, wenn die Kinder in der Schule waren. Wenn die Kinder nicht gewesen wären, ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre. Aber wer weiß, vielleicht wäre es auch ohne Kinder einfacher gewesen, denn ich hätte einen sauberen Schlussstrich besser verkraftet, als zu wissen, dass ich ihn wegen der Kinder immer wieder sehen müsste.

Resignation kannte James von mir nicht. Außerdem hatte er wohl festgestellt, dass seine Freundin nicht bereit war, ihren Mann und Sohn zu verlassen, um mit ihm ein neues Leben anzufangen. Sie hätte gerne alles weiterhin so gehabt, wie es war. Deshalb war er auch noch immer bei mir im Haus. 

Ich bat ihn also, endlich auszuziehen. Es schien ihm dadurch klar zu werden, dass das das Ende war und dass er auch die Kinder dann nur noch selten sehen würde und dass er dann alleine wäre! Seine Einstellung änderte sich. Eines Abends, als ich wieder weinend im Bett lag, kam er zu mir und schien die Beziehung kitten zu wollen. Ich hatte bisher nur Abweisung und Kälte von ihm erfahren und war verwirrt. Einerseits hatte ich akzeptiert, dass es aus war, andererseits sehnte ich mich danach, einfach mal wieder in den Arm genommen zu werden. Ich kam damit nicht klar und merkte, wie ich verstummte. Ich konnte nicht mehr weinen, lachen oder irgendetwas Sinnvolles sagen. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Er checkte seine Chancen auf beiden Seiten und merkte, dass ich ihn immer noch liebte. Aber ich wollte niemals die zweite Geige spielen. Eine Affäre hätte ich neben mir nicht geduldet. Also machte er mit ihr Schluss. Das fand sie aber nicht so toll und war plötzlich bereit, alles für ihn aufzugeben. Jedoch schien James nun zu wissen, was er wollte. Sie suchte ihn bei der Arbeit auf, sie rief ständig an, bis ich beschloss, mich mit ihr zu treffen. Es war furchtbar. Sie meinte tatsächlich, dass sie irgendwelche Rechte hätte und dass ich ja eine furchtbare Ehefrau sei, etc. Ich bat sie, uns in Ruhe zu lassen und uns eine Chance zu geben, wieder zueinander zu finden. Nichts zu machen. Sie rief sogar an, als wir auf dem Weg nach Spanien waren, um uns von all dem Sch… zu erholen.

Daraus entsprang der Wunsch, wieder nach Deutschland zu ziehen. Weit weg von IHR, weit weg von dieser schlimmen Zeit, mit der Möglichkeit ohne Vorurteile der Umgebung einen Neuanfang zu wagen. Die Chancen standen gut. Mit dem zweiten Studienabschluss war James sogar überqualifiziert, wurde ihm später gesagt und seine Deutschkenntnisse waren sehr gut, so hatte er keine Probleme, eine neue Stelle in Deutschland zu bekommen. Nach 10 Jahren Irland sind wir also wieder nach Deutschland gezogen, in eine Ecke, in der keiner uns kannte, damit der Neuanfang möglich war und noch nah genug an Familie dran, dass wir uns regelmäßig sehen konnten. 3 Monate vor dem Umzug machten wir in Irland noch eine Paar-Therapie. Es war furchtbar, denn James war brutal ehrlich, es tat weh, aber vielleicht war das auch gut so. Es gab keine Geheimnisse mehr.

Ich habe hier in diesem Ort in Deutschland zwar Freundinnen, aber es sind alles eher Kolleginnen und mit denen kann ich nicht darüber reden. Ich habe vieles in mich hineingefressen. Ich hätte meine irischen Freundinnen anrufen können, aber das schien mir auch nicht richtig. Nachdem wir vor zwei Jahren mitten in einer existenziellen Krise steckten, mein Chef, der ein Choleriker ist, mich wegen einer Nichtigkeit vor allen Kollegen rund machte und die Kinder die schlimmsten pubertierenden Anfälle hatten, bin ich wieder zusammengebrochen. Bei der Kur, die darauf folgte, kam unsere Ehe viel mehr auf den Tisch, als alle anderen Probleme und das zeigte mir, dass ich damit immer noch nicht durch war. 

Ich habe nach der Kur mehrere Monate später eine Psychotherapeutin vor Ort gefunden, die mir gezeigt hat, dass ich mit mir selber viel strenger umgehe, als mit irgend einem anderen Wesen auf der Welt. Wenn etwas schief ging, habe ich mir die schlimmsten Vorwürfe gemacht. Mein Selbstwertgefühl war nach wie vor im Keller. Unsere Beziehung war nach wie vor spannungsgeladen. 

Ich hätte früher nie gedacht, dass ich jemals im Leben eine Therapeutin brauchen würde. Ich hatte immer gesagt, wer zum Therapeuten geht, hat keine Freunde. Aber hier stand ich, labil und am Boden. Meine Therapeutin hat mir geholfen, mit mir nicht mehr so streng umzugehen, mich auch mal zu loben, für Kleinigkeiten und heute geht es mir besser. Ich bin wieder fröhlicher, positiver und lasse mich nicht mehr so sehr von meinem Mann provozieren. Unsere Beziehung ist dadurch um einiges besser. Ich bin endlich angekommen und zur inneren Ruhe gelangt. 

Das Ganze kann man mit einer klaffenden Wunde vergleichen. Diese Wunde hat durch die Ehrlichkeit meines Mannes heftig geblutet und kam zum Stillstand, als wir nach Deutschland zogen und ich nicht mehr darüber sprach. Ich machte ein Pflaster auf die Wunde. Jedoch heilte sie nicht, sie fing an zu eitern und wurde durch meinen Zusammenbruch aufgebrochen. Bei der Kur wurde dann das Pflaster abgerissen und es fing wieder an zu bluten, aber der Eiter wurde entfernt, die Blutung gestoppt und die Wunde fing an zu heilen. Durch die Therapie fing die Wunde an zu vernarben. Jetzt ist die Narbe noch zu sehen, aber sie gehört zu mir, sie ist verheilt und ich habe sie akzeptiert. 

Ich vertraue meinem Mann wieder. Die brutale Ehrlichkeit, die natürlich sehr weh tat, hat dazu beigetragen. Wir haben uns arrangiert und uns wieder neu ineinander verliebt. Auch wenn es nicht immer so aussah, haben wir zusammengehalten und die Hürden gemeinsam genommen. Jetzt geht es uns gut und ich kann sagen, ich freue mich auf eine Zukunft mit meinem Mann.

Wieder nach Deutschland zu gehen, war der richtige Weg für mich. Auch die Kinder sind mittlerweile gerne hier und haben ihre Freundeskreise. Jedoch denken sie noch oft an Irland und ihre schöne Kindheit. Wer weiß, wo es sie eines Tages hinziehen wird.

Ich habe einige Fakten in der Geschichte geändert, um nicht erkannt zu werden, denn das Internet bringt alles näher, da nützt auch kein Umzug. Meine Kolleginnen könnten mich hier wiedererkennen, unsere Nachbarn, Freunde der Kinder, egal wer. Aber es drängt mich, meine Geschichte zu erzählen, man könnte sagen, es handelt sich hier um die Abschlussarbeit meiner Therapie und dann habe ich bestanden. Es würde eigentlich auch reichen, diese Geschichte nur aufzuschreiben und sie dann in die Schublade zu stecken, aber ein Internetartikel zu einem ähnlichen Thema hatte mich animiert, einen Kommentar zu schreiben und ich bin gebeten worden, meine Geschichte aufzuschreiben. Verzeiht die Länge, wenn Ihr es bis hier geschafft habt, zeigt das, dass Ihr Durchhaltevermögen habt (Ihr könnt Euch auf die Schulter klopfen 😉 ) und dass meine Geschichte es wert war, sie zu lesen. Danke für Eure Geduld.

Danke liebe Lisa L., dass Du Deine Geschichte mit uns teilst!

Vielleicht gibt es den Bedarf, Lisa L. direkt zu schreiben. Vermerkt es in eurem Kommentar und ich leite es an sie weiter.

Habt einen schönen Tag und sorgt gut für Euch und Eure Lieben!

Lilli

5 Antworten auf „Eine Affäre im Ausland

  1. Boah, dass ist ja echt eine krasse LEBENS- & LIEBES-GESCHICHTE … echt mutig, alles niederschreiben und zu teilen. DANKE L. L. und Lilli für die Plattform … Eheleben, Kinder kriegen und weiter Paar bleiben ist kein Selbstläufer.

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  2. Danke liebe Unbekannte für den Mut, so offen über eine so persönliche und schwere Erfahrung zu schreiben. Worte können nur andeuten, was ihr durchgemacht habt und was man euch nicht ansieht. Ich habe deinen Artikel mit Gewinn gelesen und freue mich mit euch über den Neuanfang, den ihr gewagt und geschafft habt. Ich denke auch, dass du Stärke gezeigt hast bei aller Schwachheit und Verzweiflung, die du auch erlebt hast. Beides ist wahr. Dass ihr das Land verlassen habt war sicher kein leichter aber offenbar nötiger und wichtiger Schritt. Auch für eure Kinder. Ich habe u.a. aus dem Bericht mir mitgenommen, ein Freund zu sein für die, die einen Freund brauchen. Von ganzem Herzen wünsche ich Euch Gutes für Eure Ehe und Euer Familienleben und dass ihr weiter wachst in der Liebe zueinander und in euch selbst.

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  3. Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Ich möchte dich aber ermutigen, sie auch in deinem Umfeld nicht zu verheimlichen. Du wirst erfahren, wieviele Frauen (und wahrscheinlich auch Männer) ganz ähnliche Geschichten erlebt haben und froh sind, jemanden zu finden, mit dem sie darüber sprechen können. Es ist nichts, weswegen du dich schämen müsstest.

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