Forschungsergebnisse

Heute möchte ich euch einige Forschungsergebnisse vorstellen, die ich in Bezug auf die Manager- und die Expat-Ehe interessant finde.

Manager-Ehe

Der Beruf des Managers taucht in der Statistik der ehegefährdenden Berufe nicht auf und Ehen, in denen beide Partner Akademiker sind und den selben Bildungsstand haben, sollen am längsten halten. In ihrer Dissertation „Living Together Apart (LTA). Über die erfolgreiche Lebensform von Managerehepaaren“, die Susanne Neumann 2013 vorgelegt hat, beschreibt sie, warum Managerehen besonders stabil sind. Sie spielt mit dem Begriff „Living Apart Together“, der für Paare verwendet wird, die fest liiert sind, aber getrennt leben. Living Together Apart bedeutet statt dessen, dass Paare liiert sind, räumlich zusammen leben, aber ihr Leben völlig getrennt voneinander gestalten. Der Mann ist für alles Berufliche zuständig und die Frau für alles, was die Kinder und das Private betrifft. Die Frau hat keinerlei Einblick in das Leben des Mannes, geschweige denn eine entscheidende oder beratende Funktion. Das Gleiche gilt für den Mann, der zwar nachfragt, wie es den Kindern geht, aber sich ansonsten darauf verlässt, dass die Frau alle Entscheidungen alleine trifft. Sie ist völlig autonom in ihren Entscheidungen. Nach außen präsentiert sich das Paar gemeinsam, vorzugsweise unter Paaren mit ähnlichem Lebensentwurf, diese Einheit besteht aber nicht im Privaten. Das Erleben von Gemeinsamkeit findet nicht statt. Es wird auf einen anderen Lebensabschnitt, vorzugsweise die Rente, verschoben. Es handele sich dabei jedoch nicht um einen rückwärts gewandten Lebensstil, sondern wäre durchaus modern, da die Frau in ihrer Lebensgestaltung völlige Freiheit habe und sich durch ihre Hobbys und Freizeitbeschäftigungen entfalten könne.

Ich lerne: meine Ehe kann besonders lange halten, wenn mein Mann seinen Job erledigt und ich meinen und wir uns sonst in Ruhe lassen. Da muss ich ehrlich gesagt schlucken. Es klingt gut, dass offensichtlich so wenige Manager-Ehen geschieden werden. Dass die Ehen aber deshalb stabil sein sollen, weil die Paare im Alltag sich so ziemlich aus dem Weg gehen oder überhaupt gar keine Überschneidungspunkte haben, das klingt für mich eher doch nach Mad Man. Kann das so funktionieren? Langfristig gesehen? Wer hält das denn aus? Ich persönlich habe meinen Mann schon geheiratet, weil ich ihn liebe und mit ihm tatsächlich gerne Zeit verbringe. Und er ist ein Manager. Und er ist sehr wohl interessiert an meinem Leben und ich an seinem. Ich staune immer noch über diese Untersuchungsergebnisse und frage mich, ob die Ergebnisse vielleicht anders aussehen würden, wenn die 10 Interviewpaare anders gewählt worden wären. Denn so kann es das ja wohl nicht sein. Zu diesem Punkt werde ich meine Suche nach Studien fortsetzen müssen.

Expat-Ehe

Zur Expat-Ehe, bzw. zu Scheidungen, habe ich bisher leider keine Zahlen gefunden. Wohl aber andere spannende Ergebnisse:

Auswahlkritierien eines Expats

Das Institut für interkulturelles Managment stellt Kriterien zusammen, nach denen ein Expat im Unternehmen ausgewählt werden soll. Ein Auswahlkriterium wird in den Motiven des Expats gesehen. Positiv wirke sich zum Beispiel der Wille aus, sich persönlich weiter entwickeln zu wollen. Dagegen gebe es aber auch misserfolgsrelevante Kriterien, die quasi als Ausschlusskriterien gelten. Hier werden unter anderem „ausgeprägte Familien-/ Partnerschaftsmotive“ (11) genannt.

Unabhängig vom Land, in das man geht, ändern sich für den Arbeitnehmer einige Arbeitsbedingungen:

  • Das Aufgabenspektrum ist in der Regel erheblich breiter.
  • Der Verantwortungsbereich wird meist erheblich erweitert.
  • Das Arbeiten in der Fremdsprache und einer anderen Klutur bleibt eine Herausforderung
  • Es gibt einen hohen Veränderungsbedarf hinsichtlich des Auftretens, des Führungsverhaltens, dadurch wird die Persönlichkeit sehr stark herausgefordert
  • Dazu kommen nicht näher benannte persönliche und familiäre Belastungen

Dann gibt es noch Arbeitsbedingungen, die von Land zu Land unterschiedlich sind. Zum Beispiel die Arbeitssituation für den mit ausreisenden Partner oder die höhe der physischen und psychischen Belastung (Klima, Verkehr, Arbeitszeiten…). Das Arbeiten in anderen Kulturen schließt immer auch ein, dass ein höheres Maß an Intransparenz wahrgenommen wird. Da man die typischen Verhaltens- und Vergehensweisen nicht kennt, kann nur selten auf bekannte Standards zurückgegriffen werden.

Mit dem Schritt ins Ausland ändert sich also nicht nur das Arbeitspensum. In allen Bereichen erlebt ein Expat im Ausland stärkere Herausforderungen. Die Frau soll ihn dabei unterstützen, gleichzeitig soll er aber nicht so sehr von Familien-/ und Partnerschaftsmotiven geleitet sein. Ich frage mich ernsthaft, was mit Letzterem gemeint ist. Heißt das, ich sollte ihn möglichst unterstützen, er sollte mit mir aber möglichst wenig Schwierigkeiten haben? Solange ich ihn unterstütze, aber möglichst wenig von ihm persönlich einfordere, desto sicherer gelingt der Auslandseinsatz für das Unternehmen?

Die unglückliche Ehefrau

Das Hauptproblem, das in fast allen Texten für das Scheitern eines Auslandseinsatzes herausgestellt wird, liegt im privaten Bereich. In einigen Magazinen wird die unglückliche, sich zuhause langweilende Gattin explizit als Grund benannt. Die Lösung, die für dieses „Problem“ angeboten wird, liegt darin, dass der Ehefrau für die Eingewöhnung im Ausland Unterstützung angeboten wird und dass sie bei der Jobsuche unterstützt wird. Beides sind hilfreiche und sinnvolle Aspekte. Aber ich frage mich, ob sie die Problemkonstellation tatsächlich treffen, oder besser gesagt, ausschließlich treffen. Reicht es aus, für meine Zufriedenheit im Ausland, wenn mir beim Einleben Unterstützung angeboten wird und ich ein Karrierecoaching bekomme?

Es ist großartig, dass die Ehefrau bei der Entsendung mit in den Blick genommen wird. Ich vermisse aber in deutschen Darstellungen Hinweise darauf, was das im Ausland leben und arbeiten eigentlich mit der Ehe macht. Wenn es sich hauptsächlich um Führungskräfte handelt, die entsendet werden und diese Führungskräfte im Ausland dann zusätzlich wie bereits beschrieben verstärkt herausgefordert werden, können Hilfen bei der Eingewöhnung und der Jobsuche nicht ausreichend sein. Dann ist die Problematik mehr auf der Beziehungsebene zu suchen.

Vielleicht sind bisher auch einfach die falschen Fragen gestellt worden. Oder vielleicht nicht die falschen, aber einseitige, nämlich ausschließlich von Unternehmensseite aus. Die Entsendung kostet Geld, das unnötig ausgegeben wird, wenn die Entsendung scheitert, bevor der Job erledigt ist. Also fragt das Unternehmen, was es tun kann, damit die Entsendung ein Erfolg ist. Wenn der Mann viel arbeitet und die Frau ihre Karriere unterbrechen muss, liegt es auf der Hand, dass die Lösung in der Arbeitsbeschaffung für die Frau liegt.

Wenn ich aber meinen Mann geheiratet habe, weil ich ihn liebe. Und wenn ich gerne mit ihm mit ins Ausland gegangen bin, weil ich ihn unterstützen möchte und ohnehin gerade Elternzeit habe, dann brauche ich zunächst keinen Job, sondern dann ist mein vorrangiges Interesse, in einer guten Beziehung mit meinem Mann zu leben. Dafür braucht es ein Mindestmaß an Zeit. Um überhaupt miteinander reden zu können. Beziehung kann ohne Zeit und Zuwendung nicht gepflegt werden. Falls ein Unternehmen also mich fragen würde, was ich denn bräuchte, um im Ausland zufrieden zu sein, ich würde antworten: Wenigstens zwei Wochenenden im Monat reisefrei. Wenn die Woche in Mexiko beginnt und in Frankreich endet, fallen schon mal zwei Wochenenden weg. Zudem wäre es sinnvoll, wenn Besuche aus dem Headquarter nicht innerhalb der ersten zwei Wochen terminiert werden. Ja, da ist eine Familie im Schlepptau und es könnte sein, dass zumindest ein paar Matratzen in der ersten Woche beschafft werden müssen. Und könnte es eine Fortbildung für den Expat geben, die nicht nur die interkulturelle Kompetenz, sondern den Umgang mit den ganzen herausfordernden neuen Problemfeldern berücksichtigt? Eine Fortbildung, die auch soweit geht, dass eben Stressbewältigung im Ausland thematisiert wird?

Es kann nicht sein, dass wir diesen Auslandseinsatz nur überleben, wenn mein Mann völlig in der Arbeit verschwindet und ich mir zum Ausgleich einen Job oder Hobbys suche, wie die oben beschriebene Manager-Frau. Beziehung muss möglich sein.

Wie siehst du das? Gibt es Forderungen, die du gerne ans Unternehmen stellen würdest, wenn man dich fragen würde? Oder hast du einen ganz anderen Standpunkt zu diesen Punkten?

Hab einen schönen Tag!

Lilli

6 Antworten auf „Forschungsergebnisse

  1. Liebe Lilli,
    das ist ein ehrlicher und sehr guter Beitrag und wir wissen, dass diese Fragen ihre Berechtigung haben. Die Firmen stellen bei Auswahl schon gar nicht explizit die interkulturelle Kompetenz in den Vordergrund der Auswahl, sondern suchen in erster Linie jemanden, der ein Problem lösen kann. Ich habe viele Menschen während unserer Expat Phase auch von außerhalb der Firma kennengelernt, die mit einer großen Arroganz an ihre Aufgabe herangegangen sind und meinten, sie können anderen erklären wie die 2elt funktioniert.

    Die Zeit für die Partnerschaft ist wichtig und sie kommt definitiv zu kurz. Die Anforderungen in der neuen Aufgabe sind sehr hoch und man ist als Expat sehr darauf fokussiert, einen guten Job zu machen. Die Tatsache, dass man als Manager im Ausland auch sehr viel Aufmerksam vom Vorstand genießt, ist ja nicht nur ein Vorteil. Man will den Anforderungen schließlich gerecht werden und einen tollen Job machen. Hinzu kommen die interkulturellen Aspekte, die man nicht unterschätzen sollte. Das führt zu einem hohen Einsatz, der zu Lasten der Partnerschaft geht. Am Wochenende will man dann gerne ausspannen und wird den Anforderungen der Partnerin nicht gerecht, die ja die ganze Woche zurücksteht… das ist irgendwie ein Teufelskreis.

    Die Unterstützung bei der Jobqualifizierung halte ich schon für eine gute Sache. Frauen, die während der Begleitung ihres Mannes auf ihren Job verzichten müssen, verzichten auch auf Karriere. Da ist es doch legitim, dass man die Frauen dann unterstützt. Es ist auch ein Beitrag, die tägliche Zeit mit Sinn zu füllen, wenn man die Qualifizierung entsprechend ernsthaft betreibt bzw. betreiben kann.

    Zeit zu Beginn der Auslandsphase, um Fuß zu fassen und nicht gleich in die Firma zu rasen, ist absolut notwendig und hilfreich. Meine Frau hat es im Übrigen zu einer Bedingung gemacht… 🙂

    Liebe Grüße fürs Erste,
    Michael

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    1. Lieber Michael,

      meine Antwort kommt sehr spät, aber sie kommt :-). Ich habe mich SEHR über deinen Kommentar gefreut, zeigt es mir doch, dass du dabei bist. Ebenso wichtig finde ich, dass auch die arbeitenden Partner zu diesem Thema gehört werden.

      Du sprichst einen sehr wichtigen Punkt an, den ich überhaupt nicht runterspielen wollte. Die Unterstützung bei der Jobqualifizierung ist nicht zu unterschätzen. Eigentlich müsste man im Ausland permanent daran arbeiten, nicht den Anschluss zu verpassen, wenn man zurück ins Heimatland kommt. Das ist wohl auch noch zu wenig im Bewusstsein der mitreisenden Partner. (Das könnte ein Thema in der Beratung sein.) Du sprichst zudem von Jobqualifizierung, was etwas anderes ist, als Jobvermittlung, wobei einige froh wären, überhaupt bei der Jobvermittlung Unterstützung zu bekommen.

      Insgesamt wissen wir, glaube ich, noch zu wenig darüber, welche Bedürfnisse es insgesamt gibt. Ich kann nur über das schreiben, was ich selbst erlebt habe und was ich durch die mir begegneten Familien erfahren habe. Mein Punkt, den ich mit meinen Artikeln stärker ins Bewusstsein bringen möchte, ist die sehr private Dimension der Paarbeziehung. Eigentlich wäre es sinnvoll, Forschungsarbeiten zu finanzieren, die nicht ausschließlich im Blick haben, den Abbruch der Delegation zu verhindern, sondern die Bedürfnisse der unterschiedlichen Seiten im Blick haben. Vielleicht habe ich diese Forschungsarbeiten aber auch einfach noch nicht gefunden.

      Liebe Grüße,
      Lilli

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  2. Hallo, fand deinen Beitrag auch sehr erhellend und glaube auch das Unterstützung durch die Firma mehr ist als Hilfe bei der Jobsuche. Zeit das neue Land / Heimat und die Umgebung zu entdecken ist auch wichtig. Meine Bedingungen an meinen Mann war, dass der “Neustart” auch für ihn heißen muss, dass er sich besser einbringt und wir uns die Zeit nehmen. Bisher, es sind 10 Monate, hat das gut geklappt. Allerdings auch weil wir hier in den USA nicht so viele Verpflichtungen haben. Freunde und Familie sind sehr wichtig und uns lieb und teuer, aber manchmal ist es auch viel und man kommt nicht raus und es wächst einem über den Kopf… und hier können wir das alles noch steuern…
    Liebe Grüße , Katja aus den USA, aus Michigan

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    1. Liebe Katja,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Meine Antwort kommt spät, aber sie kommt :-). Deine Idee, auch mit deinem Mann zu verhandeln, finde ich großartig! Ich habe es auch versucht, aber es hat nicht geklappt, was aber nicht an meinem Mann lag… Aber dass am Wochenende viele Verpflichtungen wegfallen, das tut auch uns gut.

      Schön, dass du mitliest!

      Liebe Grüße,
      Lilli

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